Sternchen Winnetou I Sternchen
Karl Mays Roman »Winnetou I« erschien in Buchform erstmals 1893. Die Hörspieladaptionen der ersten beiden Folgen umfassen von den ursprünglichen 22 Roman-Kapiteln die Nummern 4 bis 14 (Folge 1) und 14 bis 21 (Folge 2). Die Einleitung entfiel. Die 3. Folge wurde der Reihe nachträglich hinzugefügt und entstand erst 9 Jahre später. Sie unterscheidet sich daher in ihrer Produktion spürbar von ihren Vorläufern, wenngleich hierfür sowohl Peter Folken (Skriptautor) als auch Konrad Halver (Titelrolle) nach langjähriger Abwesenheit ihre letzte Zusammenarbeit mit dem Studio EUROPA absolvierten.

Eine Hörspielbesprechung von Dr. Karsten Hein

»Mein Bruder Old Shatterhand mag mit mir kommen.«
   [Winnetou]


LP 115 503
In den ersten drei Kapiteln, die im Hörspiel nicht behandelt werden, schildert der Ich-Erzähler, ein gebürtiger Deutscher, wie er aufgrund ungünstiger Verhältnisse in die Vereinigten Staaten von Amerika ausgezogen war, wo er sich zunächst als Hauslehrer in St. Louis verdingt hatte. Durch Vermittlung des Büchsenmachers Henry erhält er eine Stelle als Landvermesser bei einer Eisenbahngesellschaft, wodurch er in den Wilden Westen gelangt. Hier setzt das Hörspiel ein. Aufgrund der Schulung duch den Westmann Sam Hawkens und dessen Mitstreiter Dick Stone und Will Parker erhält er nach mehreren Heldentaten und einem Faustschlag an die Schläfe des fiesen Ingenieurs Rattler, der diesen bewusstlos zu Boden gehen lässt, den Beinamen »Old Shatterhand«.

Bei einer Begegnung mit drei Mescalero-Apatschen, denen der Grund und Boden gehört, auf dem die Weißen arbeiten, kommt es zu einem tödlichen Zwischenfall. Rattler erschießt Klekih-petra, einen bei den Indianern lebenden weißen Lehrer. Der Häuptling Intschu-tschuna und sein Sohn Winnetou verlassen die Szene. Da die Weißen einen Rachefeldzug befürchten, verbrüdern sie sich mit den Kiowas, den Feinden der Apatschen. Sam Hawkens' Plan ist, bei einem Überfall der Apatschen und deren Überwältigung Intschu-tschuna und Winnetou zu schützen, um deren Gunst zu erringen. Der Plan gelingt, doch betrachtet Tangua, der Häuptling der Kiowas, die beiden Apatschenhäuptlinge als seine Gefangenen. Daraufhin befreit Old Shatterhand nachts die beiden Apatschen ohne Wissen der anderen. Als die Apatschen mit ihren Kriegern zurückkehren, wird Old Shatterhand im anschließenden Kampf lebensgefährlich an der Zunge verletzt. Er wird in der Gefangenschaft von Winnetous Schwester Nscho-tschi gepflegt. Die Kiowas werden freigelassen, während die Weißen zu Tode gemartet werden sollen. Als Old Shatterhand die Darstellung Tanguas in Frage stellt, soll ein Zweikampf zwischen ihm und Intschu-tschuna per Gottesurteil über die Sache entscheiden. Old Shatterhand gewinnt mit einer List und schenkt dem Häuptling das Leben.
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Bei der Winnetou-Trilogie handelt es sich um eine Parallelaufnahme zu Der Schatz im Silbersee, was an der Rollenverteilung klar zu erkennen ist: Sprach dort Peter Folken den Schurken Cornel Brinkley, so leiht er nun ebenso markant dem Schurken Santer seine Stimme (ab Folge 2). War im Silbersee Josef Dahmen als fieser 'Großer Wolf' aufgetreten, so spricht er hier den nicht minder fiesen Häuptling Tangua. Sprach im »Silbersee« Hans König den jungen Indianer 'Kleiner Bär', so ist er hier als junger Indianer Pida zu hören (ab Winnetou II, Folge 1). War im »Silbersee« Horst Beck als kauzige "Tante" Droll zu hören, so glänzt er hier als kauziger Sam Hawkens. Nichtsdestotrotz sind alle Sprecher hervorragend. Konrad Halver setzte sich als Winnetou ein Denkmal in der Höspielgeschichte. Auch Michael Poelchau ist grandios.
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Die Idee, Winnetous Auftritt grundsätzlich mit einem Ankündigungs- oder Wiedererkennungs-Musikthema zu unterlegen, scheint von den Karl-May-Filmen herzurühren, in denen ähnlich verfahren wurde. Die Geräuschkulisse, bestehend aus Bärengebrüll, Pferdegewieher, Schusswechseln usw., macht das Ganze sehr authentisch.