Happy Birthday, Commander Perkins! ...
In diesen Wochen wird Commander Randy Perkins runde 40 Jahre alt. Auf den Tag genau können wir leider nicht gratulieren, aber irgendwann in der Zeit zwischen September und Dezember 1976 muss unser Held das Licht der Welt erblickt haben. Es folgten insgesamt 18 Kapitel, in denen Commander Perkins den Abreisebefehl zu fernen Planeten und in unbekannte Zeiten gab. Natürlich alles nur möglich mittels einer genialen Erfindung: Der sogenannte »Dimensionsbrecher« von Professor Common ließ jede noch so große Distanz per Knopfdruck zu einem Katzensprung schrumpfen.

Wie lange seine Ideen und Entwürfe den Perkins-Schöpfer H. G. Franciskowsky bereits umgetrieben haben mögen – wir wissen es nicht. Aber bei dem Vielschreiber aus Barsbüttel konnte eine derartige Kreation in Windeseile an Form gewinnen; in diesem Fall womöglich ausgelöst durch die konkrete Anfrage des Plattenlabels EUROPA, das Mitte der 70er Jahre seine Suche nach neuen Serienstoffen forcierte. So erschienen die ersten sechs Perkins-Abenteuer dann auch als EUROPA-Hörspiele und bildeten den legendären »Wega-Zyklus«, der auch heute noch seine Hörer fasziniert. Es folgte eine neunteilige Jugendromanreihe bei Schneiderbuch und weitere drei Hörspiele bei EUROPA. Danach war leider schon wieder Schluss; ein befriedigendes Serienende war den Lesern und Hörern nicht vergönnt.

Nach nur knapp acht Jahren wirkte Commander Perkins mit seinem eher nüchternen Zukunftsrealismus bereits unmodern und konnte mit den damals bestimmenden Science-Fiction-Trends nicht mehr mithalten. In den Kinderzimmern boomten mittlerweile Kinohits wie »Krieg der Sterne« und »Flash Gordon«, also fantasylastigere Stoffe. Franciskowsky schien den Erzählcharakter bei Commander Perkins zwar anpassen zu wollen, doch dadurch verlor die Serie im Laufe ihrer 18 Geschichten auch immer mehr an Eigenständigkeit. War die Entdeckung einer außerirdischen Lebensform zu Beginn noch eine einmalige Sensation, so litt das Perkins-Universum in seinen letzten Romanen fast an einer Art Überbevölkerung von buntesten Fremdwesen in den wildesten Formen.

Skriptautor Hans Gerhard Franciskowsky verfasste für EUROPA fortan Hörspielserien wie Flash Gordon oder BraveStarr oder Masters of the Universe. Und anstatt die Story von Commander Perkins an einer besonders spannenden Stelle weiterzuführen, hatte das Hörspiellabel derweil die Rechte an dessen großen Bruder ergattert und griff nun darauf zurück: Großadministrator Perry Rhodan ging mit einem Kassetten-Zwölfteiler in Serie und verdrängte Randy Perkins endgültig aus der Produktionsagenda. Auch die Romanerscheinungen von Schneiderbuch verebbten im Jahre 1984.

So blieb Commander Perkins ein kleines nostalgisches Kapitel der 70er und 80er Jahre, an das sich eine ganze Hörer- und Lesergeneration allerdings mit Freude erinnert. EUROPAs Konkurrenzlabel MARITIM griff diese nostalgischen Impulse schließlich auf und brachte von 2002 bis 2008 noch einmal sämtliche Schneiderbuchromane als Hörspielumsetzungen heraus. Doch vielleicht wegen des geänderten Serientitels Das Sternentor (die Rechte am Originaltitel liegen nach wie vor bei BMG), vielleicht auch wegen der neuen Besetzung – an den Erfolg alter Hörspieltage konnte Commander Perkins nicht mehr anknüpfen.

Immer wieder ist verzweifelt versucht worden, den Commander aufzupeppen und den jeweils gängigen Trends anzupassen. Dabei ist die Serie im Kern eigentlich alles andere als unmodern. Denn noch immer steht der Dimensionsbrecher für die ganz großen Menschheitsträume: Das Reisen ohne Zeitverlust, das Entdecken und Besiedeln ferner Welten, der Kontakt mit fremden Intelligenzen ... Und auch aus heutiger Sicht würde eine Erfindung wie der Dimensionsbrecher unzählige diplomatische Verwicklungen verursachen, selbst wenn es den Menschen gelänge, sich als geeinte Spezies zu betrachten und jenseits aller Landesgrenzen für gemeinsame Ziele zu engagieren.

Zugegeben, mit dem Aufwand heutiger SciFi-Spektakel lassen sich die Hörspiele von vor 40 Jahren nicht messen. Dennoch haben die alten Geschichten einen nachhaltigen Eindruck im Bewusstsein vieler Hörer und Leser hinterlassen. Und vielleicht zeigt dieses Beispiel nur ein weiteres Mal, dass faszinierende Ideen auch ohne pompöse HD-Special-FX eine großartige Kraft besitzen …

Darauf – EIN PROSIT – und den allerherzlichsten Glückwunsch,
lieber Commander Randy Perkins!


Verfasst von Bondi


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Frank Boldewin (via Facebook) am Samstag, dem 7.1.2017 um 7:53 Uhr:
Schöner Beitrag! In einem zweiseitigen DINA4 Flyer vom Juni 1976 wurden die Titel Robby unser Freund der Roboter, In 80 Tagen um die Welt und Das Gespenst vom Schloßhotel beworben, also Nummern die direkt hinter den ersten beiden Commander Perkins lagen (E2119+E2120). Diese Flyer wurden monatlich verteilt. Ich gehe davon aus, dass die Commander Perkins dann bereits ab Mai 1976 verkauft wurden. Nur mal so als Anhaltspunkt. :)
[...]
Ein weiterer Flyer aus dem Januar stellte u.a. die Hörspiele Kung Fu 1-3 vor.
(weitergeleitet von Randy Peh)
Antwort von Bondi am Samstag, dem 7.1.2017 um 16:29 Uhr:
Wertvoller Hinweis, vielen Dank! Vielleicht hätten wir Mr. Perkins tatsächlich schon im Mai gratulieren müssen.
Womöglich besitzt ja irgendjemand da draußen sogar noch den monatlichen EUROPA-Flyer von Mai 1976??? Aber auch sonst sind wir für jeden Tipp dankbar, der uns ein bisschen mehr Erkenntnis und Gewissheit verschaftt.

Pitichinaccio am Mittwoch, dem 28.12.2016 um 22:23 Uhr:
Nun, dann gratuliere ich natürlich auch zum 40.! Dabei fällt mir ein: perlt der Sekt hier auf der Erde eigentlich mehr als auf dem Mond? :o) Prost!
Antwort von Bondi am Samstag, dem 7.1.2017 um 16:40 Uhr:
Auf dem Mond kleben Getränke jedenfalls länger am Gaumen und das Prickeln steigt höher in die Nase, habe ich mir flüstern lassen. :-) Wohlsein!